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Di 20.1.26 | Warum Anarcho-Kapitalisten offene Grenzen ablehnen (K. Laule)

Warum Anarcho-Kapitalisten offene Grenzen ablehnen  – und wie überzeugend ihre Argumente sind.

Kevin Laule, M.A.
(Friedrich-Wöhler-Gymnasium Singen)

Wann?Di, 20. Januar 2026 um 17:30 Uhr
Wo?Friedrich-Wöhler-Gymnasium, Münchriedstraße 4, 78224 Singen, Raum 110
Eintrittfrei

Es gibt zwei Argumente zugunsten freier Migration und offener Grenzen, die prima facie sehr überzeugend erscheinen: ein moralisches und ein ökonomisches.
Das moralische Argument besagt, dass jeder Mensch ein Recht auf Bewegungsfreiheit hat: Wenn A freiwillig zu B geht – bspw. zum Leben oder Arbeiten – und B zustimmt, dann verletzt C (in der Regel der Staat), der A daran hindert, ein moralisches Recht von A (vgl. bspw. Huemer 2010).
Das ökonomische Argument betont das enorme Wohlstandspotenzial offener Grenzen: Freie Migration kann – global betrachtet – das Wirtschaftswachstum massiv steigern (vgl. bspw. Clemens 2011) und die Armut senken (vgl. bspw. Van der Vossen and Brennan 2018). Migrationsbeschränkungen wirken hingegen wie Handelsbarrieren, die den globalen Wohlstand mindern.
Gerade Anarcho-Kapitalisten vertreten eigentlich Positionen, die freie Migration nahelegen: Sie lehnen den Staat ab, betonen individuelle Rechte und befürworten Freihandel. Warum also sind manche von ihnen – insbesondere jene in der Tradition von Murray N. Rothbard und Hans-Hermann Hoppe – gegen offene Grenzen und freie Migration?
Diese Spannung wirft zwei grundsätzliche Fragen auf:

  1. Ist eine solche Position innerhalb des anarcho-kapitalistischen Theorierahmens überhaupt widerspruchsfrei möglich?
  2. Falls ja, kann man eine solche Position mit guten Gründen verteidigen?

Diesen Fragen gehen wir in diesem Workshop nach – vor dem Hintergrund, dass anarcho-kapitalistische Positionen politisch zunehmend an Einfluss gewinnen (bspw. in Argentinien und den USA) und sich Demokraten dazu verhalten müssen.

Literatur
Clemens, Michael A. 2011. “Economics and Emigration: Trillion-Dollar Bills on the Sidewalk?” Journal of Economic Perspectives 25 (3): 83–106. https://doi.org/10.1257/jep.25.3.83.
Huemer, Michael. 2010. “Is There a Right to Immigrate?” Social Theory and Practice 36 (3): 429–61. https://doi.org/10.5840/soctheorpract201036323.
Van der Vossen, Bas, and Jason Brennan. 2018. In Defense of Openness: Why Global Freedom Is the Humane Solution to Global Poverty. New York, NY, United States of America: Oxford University Press.

Kevin Laule promovierte berufsbegleitend zum Dr. phil. an der Universität Konstanz unter der Erstbetreuung von Prof. Dr. Jacob Rosenthal. Zuvor schloss er sein Bachelor‑Studium in Philosophie und Politikwissenschaft sowie sein Master‑Studium in Philosophie an der Universität Konstanz erfolgreich ab. Anschließend erwarb er das 1. Staatsexamen in Philosophie, Ethik, Politik und Wirtschaft an der Universität Konstanz und das 2. Staatsexamen für das Gymnasiallehramt am Seminar Rottweil.
Während seiner akademischen Laufbahn war er als Tutor für Erkenntnistheorie, praktische Philosophie und logisch‑semantische Propädeutik an der Universität Konstanz tätig und arbeitete als wissenschaftliche Hilfskraft an den Lehrstühlen für Schulpädagogik sowie praktische Philosophie. Für seine herausragenden Abschlussarbeiten erhielt er den VEUK‑Preis der Universität Konstanz und ein Master‑Stipendium der Studienstiftung des deutschen Volkes.